Gespenster im deutschen Wald

Liliencron 15°C um 15h - Noch immer erwartet: Schöne Junitage Mitternacht, die Gärten lauschen, Flüsterwort und Liebeskuß, Bis der letzte Klang verklungen, Weil nun alles schlafen muß - Flußüberwärts singt eine Nachtigall. Sonnengrüner Rosengarten, Sonnenweiße Stromesflut, Sonnenstiller Morgenfriede, Der auf Baum und Beeten ruht - Flußüberwärts singt eine Nachtigall. (...) Detlev von Liliencron (1844-1909) - Kleine Eiszeit in Bamberg : Am 27.2.1784 gab die Seesbrücke den Eismassen auf der Regnitz nach. Friedrich Rübner hielt das Eisunglück im Bild fest. (FAZ 18.6.09) - Aussichten auf den Naturschutz Gespenster im deutschen Wald 17. Juni 2009 Zum Thema Naturschutz gibt es, was die Details angeht, viele Meinungen, seine Notwendigkeit dürfte aber niemand abstreiten. Dabei liegt in den Begriffen Natur und Schutz ein unüberwindlicher Antagonismus. In der Natur gibt es keine Konstanten, vielmehr ist der Wandel ihre wesentliche Eigenschaft. Das Nachhaltigkeitsprinzip als Schlagwort der Naturschutzdebatten geht am Kern der Problematik vorbei, meint der Pflanzenökologe und Geobotaniker Hansjörg Küster: Es gebe keine "Normalzustände" des Klimas oder des Waldes , folglich werden Versuche, Stabilitäten herzustellen, zu einem Kampf gegen Windmühlen. Naturschutz leidet nach Ansicht Küsters zum einen an seiner Bezeichnung: Der Begriff Naturschutz führe zu grundlegenden Missverständnissen - als müsse da etwas in ewig unveränderter Form erhalten werden. Der andere große Mangel liege in einer fehlenden gemeinsamen Wissensbasis; man wisse im Grunde zu wenig über die Situation, von der alle reden. Die Bewahrung liegt dem Menschen indes im Blut. Die erste Bevölkerungsexplosion der Menschheit verdankt sich dem Anbau von Kulturpflanzen und den Anfängen der Agrarlandschaft. Was den Menschen auszeichnet, ist die Überwindung der Wachstumsgrenzen, er schlägt Perioden der Stabilität in den unaufhaltsamen Wandel der Natur. Die Zivilisation wird das Erfolgsmodell, und sie ist, wie Hansjörg Küster so bestechend kurz wie konzise ausführt, eine Geschichte der Landschaft ( Hansjörg Küster: "Schöne Aussichten". Kleine Geschichte der Landschaft. Verlag C.H. Beck, München 2009. 127 S., br., 7 Abb., 12,- [Euro]). Die Landschaft beschreibt Küster als ein in Jahrtausenden gewachsenes und weiter wachsendes Geschichtsbuch. In ihr verbinden sich historische, kulturelle und naturwissenschaftliche Perspektiven, kommen auch individuelle und kollektive Erinnerungsbilder ins Spiel. In der Landschaft zu lesen schult eine Erkenntnisfähigkeit, die Zusammenhänge von einem erhöhten Blick aus gewinnt, der Distanz und Empfindung miteinander verbindet. Mit Petrarcas berühmter Besteigung des Mont Ventoux lässt Küster das Nachdenken über die Landschaft beginnen. Alles, was der Mensch in seiner Umgebung wahrnimmt und in einen Zusammenhang stellt, ist Landschaft. Diese Einsicht spiegelt sich im Kleinen auch in der Konzeption von Gärten wider, wo Terrassen, Torbögen und Hügel für veränderte Aussichten sorgen. Hier werden Elemente der Natur und Elemente der Kultur in einer Zusammenschau sichtbar. Küsters Landschaftsgeschichte enthält so ganz nebenbei auch eine Wissenschaftskritik. Heute läge der Schwerpunkt zu Unrecht auf naturwissenschaftlichen Methoden. Eine adäquate Betrachtung des Phänomens Landschaft verlangt aber auch nach geisteswissenschaftlich geprägter Analyse, denn es ist maßgeblich von kulturellen Faktoren bestimmt. Küster nimmt dabei vor allem Metaphern in den Blick, wie die der "guten alten Zeit", die es zu bewahren gilt. Das nostalgische Urbild des wilden deutschen Waldes wird zum Paradebeispiel für eine fehlgeleitete Überlieferung. Die vorgebliche Wildnis des Waldes war mitnichten der Urzustand der Landschaft. Seine Ausbreitung wurde vielmehr erst mit der Industrialisierung und den technischen Mitteln zur Aufforstung möglich. Nun will man den wilden Wald vor eben jener Industrie bewahren, die ihm erst das Wachsen ermöglicht hatte. Der Ökologe führt vor, wie leicht aus solch einer Fehlinterpretation der Zusammenhänge eine ideologische Figur werden kann. Die Erhabenheit der Wildnis wurde den Nationalsozialisten zum schützenswerten Gut, genauso wie die "deutsche Landschaft". Wenn persönliche und subjektive Landschaftserlebnisse als Naturschutz dargestellt werden, ist dies eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Genau das macht ihn nach Küster interessant für totalitäres Denken. Der Naturschutz in seiner heutigen Form als Paradigma der Nachhaltigkeit habe seine Prägung nicht zuletzt im Dritten Reich erhalten. Bereits um 1900 wurde er als Ziel formuliert, bei dem es nicht um die Bewahrung dessen ging, was Natur eigentlich auszeichnet, nämlich Dynamik, sondern um die Schönheit von Landschaft, die sich nicht wandeln sollte. Der Naturschutz war in seinen Ursprüngen ein rein kulturelles Anliegen, ohne jeglichen wissenschaftlichen Anspruch. Heute ist der einzige Konsens unter Naturschützern die Opposition gegen kommerzielle Ausbeutung. Die Zusammenhänge - zum Beispiel von Industrie und Natur - werden immer noch nicht hinreichend berücksichtigt. Küsters "Kleine Geschichte der Landschaft" ist eine lesenswerte Streitschrift für eine dringend notwendige Reformierung des Ökologieverständnisses, nicht nur für Experten, sondern für jeden, der um sich herum in die Landschaft schaut. GESINE HINDEMITH, FAZ 18.6.09

© wolfdoleys.blogspot.com (26.06.2009)

Immer mehr Deserteure verlassen Gaddafis Truppen (30.05.2011) • Umfrage - Jeder Zweite findet das System in Österreich... (30.05.2011) • Jury deliberations resume in case of Kan. man accused of... (30.05.2011) • Wojsko ostrzelało miasto Talbisa (30.05.2011) • Okmányirodákban is lehet elektronikusan fizetni (30.05.2011) • Több "védett tanú" is lehet a Hunvald-perben (30.05.2011) • Romantika a víztoronynál (30.05.2011) • Marad Pintérék edzője (30.05.2011) • Ärzte: Mladic ist verhandlungsfähig (30.05.2011) • Ansichtssache - Krawalle bei Demo gegen Mladic-Verhaftung (30.05.2011) • Ärzte: Mladic kann Prozess durchstehen (30.05.2011) • Energiewende darf nicht zu Lasten des globalen... (30.05.2011) • Ansprache von Bundespräsident Christian Wulff auf der... (30.05.2011) • Tote Bundeswehrsoldaten werden in Heimat geflogen (30.05.2011) • AVISO: GPA-djp-Pressekonferenz: "Mehr Urlaub für alle!" (30.05.2011) • Verzögerungstaktik von Mladics Verteidiger (30.05.2011) • Eil +++ SPD deutet Zustimmung zu Atomausstieg an (30.05.2011) • Afghanistan: Nato entschuldigt sich für tote Zivilisten (30.05.2011) • Ärzte: Mladic ist verhandlungsfähig (30.05.2011) • Schwache Beteiligung bei Stichwahlen in Italien (30.05.2011) • Rajoy asegura que su primera medida será fijar un techo... (30.05.2011) • S klager til Thor P over Claus Hjort (30.05.2011) • Ärzte: Mladic ist verhandlungsfähig (30.05.2011) • Jó lenne, ha kérhetnének erkölcsi bizonyítványt... (30.05.2011) • Government cuts health and safety red tape to stop... (30.05.2011) • Kerim çıldırdı (30.05.2011) • Aid workers to join Gaza flotilla (30.05.2011) • Ratko Mladic in fresh bid to avoid extradition over... (30.05.2011) • Kommentar: Auch nach dem Atomausstieg ist die Sicherheit... (30.05.2011) • schlaglichterEil +++ SPD deutet Zustimmung zu... (30.05.2011) •
Suche  
Gestalte Dir hier Deine eigene Zeitung. Jetzt anlegen!
  • TopNews
    loading...

    Die Liste wird geladen ...
  • TopNews-Sport
    loading...

    Die Liste wird geladen ...
  • -- Werbung --
  • TopNews-Wirt...
    loading...

    Die Liste wird geladen ...
  • TopNews-Politik
    loading...

    Die Liste wird geladen ...
  • Vermischtes
    loading...

    Die Liste wird geladen ...
Newsmap
Mein Wetter
Keine Wetterdaten vorhanden!
 
Merkliste
Registrierte User können News in Merklisten speichern und sharen

Jetzt einloggen oder anmelden
Shoutbox
close
spacer
spacer